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So geht covern!

Das Nachsingen von Songs wird Covern genannt. In der Musikszene und auch bei Musikliebhabern ist das Covern von Songs kaum als Kunst anerkannt. Unter dem Begriff „Coversänger“ stellen viele Menschen sich in erster Linie mehr oder weniger schlechte Hobbysänger hinter Heimorgeln vor, die auf Straßenfesten die Stimmung eher drücken als erhellen. Dabei sehen wir auch in der Sendung „sing meinen Song“ was für tolle neue Songs durch das Covern entstehen können. Es gibt sie, die Coverkünstler! Covern kann durchaus zur hohen Kunst werden. Im folgenden Beitrag möchte ich euch zeigen, wie ihr vom Coversänger zum Künstler werden könnt.

Warum covern?

Covern ist ein guter Weg um in den Gesang einzusteigen. Beim Covern kann man ein gutes Gefühl für Rhythmus erlernen, das Treffen von Tönen üben und, z.B. beim Singen in der Badewanne oder am Lagerfeuer, Erfahrungen als Sänger sammeln. Zudem eignet es sich als Nebenverdienst für Sänger, da man damit z.B. auf Hochzeiten oder Geburtstagen gutes Geld verdienen kann.

Das Problem ist jedoch, dass die Persönlichkeit des Sängers dabei meist auf der Strecke bleibt. Ganz besonders dann, wenn er versucht, sehr nah an die Originalversion heran zu kommen. Im direkten Vergleich schneidet in diesem Fall der Sänger beim Covern fast immer schlecht ab. Selbst dann, wenn die Qualität des Gesangs eventuell sogar besser ist, als die des Originalsängers. Das liegt daran, dass die Hörer den Originalsong im Ohr haben und die neue Fassung als „etwas falsch“ oder „knapp daneben“ empfinden. Zudem ist das bloße Abkupfern eines Songs nicht als wahre Kunst anerkannt. Ein leidenschaftlicher Sänger, bei dem Beruf von Berufung kommt, wird daher mit dem direkten und bloßen Covern von Songs langfristig nicht glücklich.

Viele Sänger beginnen dann irgendwann Kontakte zu nutzen und mehr und mehr auch eigene Songs zu produzieren. Doch warum immer gleich das Rad ganz neu erfinden. Nicht alle tollen Sänger sind auch gute Songschreiber oder haben Kontakte zu guten Produzenten und es gibt sehr viele tolle Songs, die es verdient haben, zu neuem Leben zu erwachen.

Wie covern?

Es ist durchaus möglich, das Covern zu einer grandiosen, unvergleichbaren, individuellen Kunst zu machen. Hierfür ist es notwendig, sich von der gängigen Interpretation des Songs zu lösen, ihn neu zu erfühlen und ihm so ein ganz neues, anders Leben einzuhauchen.

Die Veränderungen beginnt man zunächst in den Bildern und Emotionen und dem dadurch entstehenden Subtext. Letztlich wirkt sich diese Neuinterpretation dann auch auf die Melodie aus. Am Ende entstehen großartige Songs, die mit dem Original manchmal gar nicht mehr viel zu tun haben.

In10 Schritten vom Coversänger zum Künstler

  1. Wähle einen Song, der dich selbst berührt.
  2. Vertiefe dich in die Bilder die bei dir dadurch entstehen und baue daraus eine ganz neue (deine!) Geschichte.
  3. Schreibe den Text des Songs ganz neu in deinen Worten, so dass er genau zu deiner Geschichte passt.
    Diesen Text wirst du letztlich nicht singen. Er dient als Subtext (die Worte die du denkst, während du den Originaltext singst). Du brauchst ihn, um in jeder Zeile des Songs deine Geschichte zu fühlen und so die neuen Emotion zu verinnerlichen.
  4. Spreche den Subtext laut. Am besten übst du in dieser Phase mit einer Person, die du direkt mit deinen Worten ansprichst.
  5. Singe im Anschluss daran Zeile für Zeile mit geschlossenen Augen und fühle während du den Originaltext singst die Emotionen deines Subtextes. Lasse Veränderungen der Melodie zu.
  6. Verinnerliche die Bilder die du siehst während du singst durch ständiges Wiederholen so stark, dass du sie jederzeit spontan abrufen kannst und sie sehr genau sind. Diese Vorstellungen müssen so tief gehen, dass du in der Lage wärst zu erzählen, was die Personen deiner Geschichte am liebsten Essen und was sie tun würden wenn sie am Wochenende frei hätten.
  7. Singe nun mit offenen Augen in deinem Raum, z.B. mit Blick aus dem Fenster und versuche trotzdem deine Bilder zu sehen.
  8. Stelle dir beim Üben ein Publikum vor und interagiere mit dem Publikum. Nehme zum Beispiel Blickkontakt mit deinem Stuhl auf und trete mit ihm in einen echten Dialog in dem du ihn mit deinen Emotionen ansingst. Nehme die Veränderungen in der Melodie wahr und wiederhole diese Intonation.
  9. Der Originalsong ist nun zu deinem eigenen Song geworden. Nehme deine Variante auf und singe deinen Song so oft mit, dass du die neue Melodie sicher abrufen kannst, selbst wenn ich dich mitten in der Nacht wecken würde und du noch sturzbetrunken wärst.
  10. Nun kannst du den Song wieder von deinen Bilder lösen und mit einem realen Publikum interagieren. Jetzt, da du beim Singen mit deinen eigenen Gefühlen und deiner Geschichte verschmolzen bist, ist der Song einzigartig. Du hast ihn zu DEINEM gemacht und bist ein Künstler.

Hier das Beispiel eines Sängers, den ich bei diesem Prozess begleiten durfte. „Well done Raab“ ist eigentlich Bürgermeister und hat seine Leidenschaft fürs Singen erst mit über 50 Jahren entdeckt.

Ariane Willikonsky, Kommunikationstrainerin, Dipl. Sprecherzieherin und Sprechtherapeutin