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Die wunderbare Sprache dreijähriger Kinder

Etwa um den dritten Geburtstag herum, gehen Kinder die entscheidenden Schritte zur Selbstständigkeit. Sie können sich selbst anziehen, werden sauber und treffen bewusst Entscheidungen. Auch in der Sprachentwicklung machen Kinder in diesem Alter große Sprünge, die ich am Beispiel eines Satzes der kleinen Emma (1 Woche vor ihrem 3.Geburstag) aufzeigen möchte.

Der Satz: „Es hat gestaubt, wenn ich das geschmeißen hab“ besteht aus Haupt- und  Nebensatz. Emma verwendet Personalpronomen „ich“ und „es“, bildet Zeiten „geschmeißen“, sie konjugiert Verben „gestaubt“, kann schwierige Konsonantenverbindungen „st“ und „schm“ und stellt inhaltlich einen sehr treffenden Bezug her.

Auf den ersten Blick erscheint der Satz zwar noch fehlerhaft, aber in Wirklichkeit ist er eine großartige Leitung. Emma hat die schwierigen grammatikalischen Regeln der Deutschen Sprache verinnerlicht und wendet sie korrekt an.  Die Verwendung von „wenn“ statt „als“ stammt von der im Deutschen üblichen Satzstruktur „wenn, dann….“ und ist daher sehr schlau. Das Wort „geschmeißen“ zeigt, dass Emma verstanden hat, dass die Vergangenheit mit „ge-“ gebildet wird und dass „schmeißen“ ein unregelmäßiges Verb ist und die Infinitivform in der Vergangenheit erfordert, sonst hätte sie „geschmeißt“ gesagt.

Sprachentwicklung 3 Jahre

Kinder mit 3 Jahren sollten in der Lage sein grammatikalische Regen anzuwenden, das heißt aber nicht, dass die Sätze sich komplett richtig anhören müssen. Sätze wie der oben genannte Satz sind nicht falsch sondern genial. Korrigieren Sie Kinder nicht sondern wiederholen Sie korrekt, z.B. „Wow, Emma, ich habe gesehen. Das hat wirklich ganz schön gestaubt, als du den Stein geschmissen hast!“

Tipp: Zur Beurteilung der Sprachenwticklung von Kindern empfehlen wir unser Sprachscreening BEO 

Ariane Willikonsky, Kommunikationstrainerin, Dipl. Sprecherzieherin und Sprechtherapeutin

Ariane Willikonsky hat an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart Sprecherziehung studiert und 1999 das Studium zur Dipl. Sprecherzieherin und Sprecherin abgeschlossen. Im Anschluss daran war sie jahrelang als Dozentin für Sprecherziehung und Stimmbildung an der Logopädieschule und Schauspielakademie tätig, sowie im Fernsehen für die Ausbildung von Nachrichtensprechern zuständig. 2003 eröffnete sie das FON Institut für Sprache und Stimme, wofür sie 2008 den Landespreis bekam und das sie auch heute noch leitet. Ariane Willikonsky ist Autorin zahlreicher Fachbücher rund um das Thema Kommunikation und seit über 20 Jahren als Kommunikationsrainerin tätig. 2016 wurde sie zur „Trainerin des Jahres“ gekürt. Zu ihren Klienten gehören namhafte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Showbusiness, darunter der Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, mehrere Bundestagsabgeordnete und Bürgermeister sowie Entscheidungsträger und Top-Führungskräfte aus der Wirtschaft.