Sekundenschnell die Selbstkontrolle zurückgewinnen mit Stop-Codes

Von Prof. Dr. Diethelm Wahl

Es ist ein Jammer mit den Menschen. Sie verstehen sich als vernunftbegabt, fallen jedoch in kritischen Situationen sowie bei starken Emotionen in wenig vernünftiges Verhalten zurück. Dieses in der Psychologie bestens untersuchte „Handeln unter Druck“ (vgl. auch meine gleichnamige Habilitationsschrift) zeichnet sich durch viel zu schnell getroffene, suboptimale Entscheidungen aus, die entweder zu hohe Risiken bergen oder durch Vermeidungstendenzen charakterisiert sind, bei denen wichtige Informationen aus der Realität schlicht ausgeblendet werden. Subjektiv wird dies so erlebt, dass die Handlungen sich verselbständigen, der Akteur sie nicht aufhalten kann und dass er sich hinterher zuweilen an den Kopf greift mit der Frage, wie ihm das passieren konnte und ob er das wirklich selbst war, der sich so verhalten hat.

Damit Menschen in brenzligen Situationen trotz starker Emotionen professionell handeln können, habe ich – aufbauend auf der Stressbewältigungstheorie von Meichenbaum – ein leicht erlernbares Verfahren entwickelt, mit dem man die Selbstkontrolle in wenigen Sekunden zurückgewinnen kann. Klingt komisch, ist aber so. Allerdings erfordert dies vorausgehendes Training. Dieses Verfahren zur Verbesserung der eigenen Handlungssteuerung trägt die Bezeichnung „Stop-Code“. Der Begriff STOP soll signalisieren, dass es sich um eine Handlungs – Unterbrechungs – Strategie dreht. Schnell in Gang kommende Abläufe werden effizient unterbrochen, also gestoppt. Der Begriff CODE soll signalisieren, dass für jedes Individuum eine ganz spezielle Form des Umgangs mit sich selbst ausgearbeitet wird. Diese wird mit Hilfe einer CD trainiert. Zuerst in einer 10-Minuten- Form, auch Langform genannt. Wir diese beherrscht, geht man zur Minutenform und danach zur Sekundenform über. Und schon kann man den eigenen Stop-Code in der Praxis einsetzen, das unerwünschte Verhalten damit stoppen und an dessen Stelle das angestrebte Handeln setzen.

Über 10 000 Personen habe ich bisher in dieses Verfahren eingewiesen. Gut damit umgehen können alle, die in einer kritischen Situation mehrere Sekunden Zeit für eine Reaktion haben. Da menschliche Interaktionen in der Regel in 3 – Sekunden – Intervallen ablaufen, sind nahezu alle alltäglichen Problematiken damit zu bewältigen, von nervenden Kindern, zeternden Lebensgefährten, vorwurfsvollen Vorgesetzen bis hin zu grimmigen Hausmeistern. Aber es geht auch in Handlungsbereichen, in denen die zur Verfügung stehende Entscheidungszeit unterhalb einer Sekunde liegt. Dies kann ich aus meiner Arbeit mit Spitzensportlern in Karate, Ringen, Tennis, Tischtennis usw. berichten, in den die zur Verfügung stehende Entscheidungszeit knapp oberhalb der physiologischen Reaktionszeit liegt.

Mehr Infos unter: http://www.prof-diethelm-wahl.de

Was hat das alles mit dem Fon-Institut von Ariane Willikonsky zu tun?

Sprachproduktion ist hochgradig automatisiert. Will man anders als bisher sprechen, zum Beispiel langsamer und deutlicher, den Mund weiter öffnen, die Zischlaute präzisieren, den Stimmsitz weiter nach vorne verlagern usw., dann muss man die bisherigen Mechanismen während des Sprechens stoppen. Dies geschieht durch mit der CD trainierte Selbstinstruktionen, die WÄHREND des Sprechens bzw. PARALLEL zu den Sprechakten realisiert werden. Folge sind nicht nur eine bessere Kontrolle der Sprachproduktion, sondern auch eine höhere Selbstüberwachung dessen, was aus dem Mund herauskommt. Wegen des extrem hohen Automatisierungsgrades von Sprache muss man sich allerdings damit abfinden, dass nicht alles sofort perfekt gelingt.