Heraus mit der Sprache! Tipps zur Weckung der Sprechfreude
Geschrieben von Ariane Willikonsky am 11. April 2010 | Abgelegt unter Presse

Sprachförderung
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Auf die Frage, wie es im Kindergarten war, kommt ein knappes “Schön”. Der Kommentar zur Schule: “ok”. Die Erkundigung nach dem Fußballmatch wird mit “Cool” quittiert. Ende. Kinder können wortkarg sein. Was an Mamas und Papas Nerven zerrt. Da reden sie oft ohne Punkt und Beistrich, und dann muss man ihnen alles aus der Nase ziehen.
Manchmal hilft es schon, andere Fragen zu stellen. “Sich nicht allgemein nach der Schule zu erkundigen, sondern ein Thema wählen, das dem Kind besonders nahe liegt”, rät KURIER-Family-Coach Martina Leibovici-Mühlberger. “Wichtig ist die Aufmerksamkeit und das Zuhören.”
Kinder mögen es, wenn auch sie etwas erzählt bekommen. Eltern wollen sie nicht belasten oder meinen, sie könnten Vieles noch nicht verstehen. “Das Gegenteil ist der Fall”, sagt die deutsche Sprachtherapeutin Ariane Willikonsky. “Erzählen Sie dem Kind doch einmal, wenn Sie sich über Chef oder Arbeitskollegen geärgert haben. Sie werden erstaunt sein, wie gern und mit wie viel Anteilnahme es Ihnen zuhören wird.” Weil Kinder darüber erleichtert seien, dass bei Erwachsenen auch nicht immer alles glatt läuft. Und: “Es erfüllt sie mit Stolz, wenn sie auch einmal einen Rat geben können. Zudem wird sich das Kind dem Elternteil gegenüber öffnen und ein Redebedürfnis entwickeln.”
Liebe und Zuwendung sind die wichtigsten Faktoren, um bei Kindern die Freude am Sprechen zu wecken. Dazu werden die Kleinen von Geburt an mit Worten und allerlei Lauten liebkost. “Bei einem liebevollen Umgang erkennen Kinder bereits mit einem halben Jahr die Melodie ihrer Muttersprache. Nicht die Sätze, aber den Rhythmus, das Tempo, die Abfolge der Vokale”, sagt Leibovici-Mühlberger. “Dazu kommen Mimik, Gestik, Betonung, Lautstärke. All diese Prozesse müssen viele tausend Male geübt werden. In liebevoller Interaktion.” Das ist der Schlüssel zur Sprachförderung.
Im deutschen Nordrhein-Westfalen wurde bei der Erhebung der Sprachfähigkeit von Vierjährigen festgestellt, dass nicht nur Kinder mit Migrationshintergrund sprachliche Schwierigkeiten haben, sondern auch deutsche Kinder. Der Grund: Ein problematischer sozialer Hintergrund. “Es sind Kinder, die sehr früh vor den Fernseher gesetzt werden, dem die Funktion des Babysitters zugeteilt wird. Eine Katastrophe für die Entwicklung”, so die Psychotherapeutin. “Das kleinkindliche Gehirn kann die flachen Bilder nicht ergänzen und bekommt nur den zweidimensionalen Input. Zudem gibt es keine Reaktion und Kommunikation.” Kinder, die zu wenig Zuwendung bekommen, verstummen und können sich später nicht ausdrücken.
Das Alter, in dem Kinder mit dem Sprechen beginnen, ist unterschiedlich. Mit zwölf Monaten formen sie bereits die ersten Wörter. Manche sprechen mit zwei wie aufgezogen, andere erst mit drei oder später. Wichtig ist die Entwicklung. “Wer schon beim kleinsten, fordernden ,ä’ des Kindes sofort dessen Wunsch erfüllt, tut ihm keinen Gefallen. Es ist wesentlich weniger anstrengend auf die Flasche zu zeigen und ,ä’ anstatt ,trinken’ zu sagen, ” meint Sprachtherapeutin Willikonsky. “Es gibt Kinder, die gewohnt sind, dass ihnen alle Wünsche von den Augen abgelesen werden. Diese Kinder sprechen manchmal lange Zeit gar nicht.”
“Seien Sie Sprachvorbild”, fordert Willikonsky auf. “Das bedeutet, sich sprachlich gut auf einen Gesprächspartner einstellen zu können. Also mit dem Kind so zu sprechen, dass es den Inhalt versteht.”
Wenn Kinder beim Sprechen Fehler machen, sollten sie nicht von Erwachsenen unterbrochen und verbessert werden. Das ist frustrierend. Viel besser: Erwachsene wiederholen den Satz in korrekter Form. Zum Beispiel sagt das Kind: “Da Vodel fliet”, dann bestätigt man “Ja, stimmt. Da fliegt ein Vogel”. Willikonsky: “Das Kind hört dabei die richtige Aussprache und Grammatik ohne direkt korrigiert zu werden.”
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