Entwicklungsdiagnostik an der Grundschule
Geschrieben von Ariane Willikonsky am 18. Juni 2011 | Abgelegt unter Artikel Ariane Willikonsky
Erstaunliche Ergebnisse brachte eine Entwicklungsdiagnostik an einer Stuttgarter Grundschule zu Tage. Gescreent wurden 149 Kinder aus der 1. und 2. Klasse sowie 2 Grundschulförderklassen von einem Team aus Logopäden und Ergotherapeuten des FON Institut – Stuttgart. Die Therapeutinnen beobachteten die Kinder zunächst in der Klasse, dann erfolgte ein Einzel-Screening sowie ein Gespräch mit den Lehrerinnen. Als auffälligster Bereich ergab sich die Fein- und Grafomotorik. 74% der Kinder zeigten hier Auffälligkeiten. Nicht immer zeigen sich die Schwächen in einem unsauberen Schriftbild oder nicht-altersgerechter Malentwicklung. Häufig können die Kinder eine schlechte Stifthaltung kompensieren, aber diese sowie ein hoher Druck beim Schreiben stellen dennoch eine große Beeinträchtigung für die Kinder dar, insbesondere beim längeren Schreiben, z.B. von Aufsätzen. Da die Kinder die falsche Stifthaltung häufig schon verinnerlicht haben, kann diese in der Grundschule nur schwer korrigiert werden. Wünschenswert wäre hierauf bereits im Kindergarten verstärkt zu achten. Ebenso große Schwierigkeiten bestehen in der Sprache. 71 % der Kinder zeigten hier noch deutliche Schwächen. Ganz besonders große Schwierigkeiten bereiten den Kindern, die an der getesteten Schule zu über 80% Deutsch als Zweitsprache erlernen, die deutsche Grammatik. Sprachliche Schwächen haben ihre Ursache häufig in Wahrnehmungsdefiziten, die bei der Hälfte der Kinder nachgewiesen werden konnten. Motorische Defizite, die sich zum Beispiel in Koordinationsschwierigkeiten, mangelnder Körperspannung oder Gleichgewichtsproblemen zeigen, hatten 40% der untersuchten Kinder. Diese konnten nicht nur im Sportunterricht oder auf dem Schulhof beobachtet werden. Motorisch unsichere Kinder können nur schwer gerade und ruhig auf dem Stuhl sitzen, zudem hat die Körperspannung auch Auswirkung auf die Aufmerksamkeit. Besonders positiv hingegen, fiel die hohe Motivation der Kinder auf. Mehr als 80% der Kinder haben Spaß am Unterricht und arbeiten interessiert mit. Es ist also keinesfalls so, dass die Teilleistungsschwächen auf mangelndes Interesse zurückzuführen ist. Unsere Kinder sind wissbegierig und offen, häufig fehlt es leider am nötigen Input. Weder Feinmotorik, noch Sprache oder Bewegungsfreude werden durch die Playstation oder den Fernseher gefördert. Die nachgewiesenen Defizite können in der Grundschule nur noch zum Teil ausgeglichen werden. Viele Entwicklungsschritte wurden im Kleinkind und Kindergartenalter versäumt. Bleibt zu hoffen, dass die Studie dazu beiträgt, die Aufmerksamkeit hierauf zu schärfen. In einem Elternabend am 13.Juli soll in einem ersten Block vermittelt werden, wie man Wortschatz und Wahrnehmung fördern kann, weitere Elternabende zu den anderen Teilbereichen sind geplant. Parallel dazu wird es ein Förderprogramm in der Schule geben. Des Weiteren wird es in Zusammenarbeit mit der Caritas Besuche in einem Outdoorgelände geben, hier haben die Kinder die Möglichkeit ihre sozialen, kommunikativen und motorischen Kompetenzen auf abenteuerliche Weise und mit viel Spaß im Freien zu verbessern. Der Schwerpunkt der Kooperation zwischen der Schule und dem FON Institut wird jedoch auf der Fortbildung der Lehrer und der Erzieher der umliegenden Kindergärten liegen.











































