0711 - 88 26 888 info@foninstitut.de
Seite auswählen

Dysphagie / Schluckstörungen

Informationen für Pflegekräfte und pflegende Angehörige

Zahlen – Daten – Fakten rund um die Dysphagie / Schluckstörung

  • In Deutschland gibt es derzeit ca. fünf Millionen Menschen, bei denen eine Schluckstörung festgestellt wurde.
  • Jeder zweite Altenheimbewohner über 75 Jahren leidet unter Schluckproblemen.
  • Jeder zweite Schlaganfallpatient und jeder zweite Parkinsonpatient entwickelt eine Schluckstörung, MS 40% etc.
  • Jeder fünfte Schlaganfallpatient stirbt binnen eines Jahres an einer Lungenentzündung in Folge einer Aspiration
  • Weitere zehn bis 15 Prozent sterben in den Folgejahren daran

Damit ist die Schluckstörung nach den Herz-Kreislauferkrankungen in Deutschland die häufigste Todesursache. Diese Tatsache hat sich noch nicht ausreichend herumgesprochen: 56% aller Fälle werden nicht behandelt.

Woran erkennt man eine Schluckstörung?

Zusammengestellt von Michaela Grau, Logopädin und Krankenschwester, Autorin des Ratgebers „Schluckstörungen“  FON Verlag 2015

  • Häufiges Verschlucken
  • Kauschwäche
  • Sehr langsames Essen
  • Schlaffe Zungen- und Lippenmotorik
  • Hypersalivation, Sabbern
  • Essen/Trinken bleibt im Mund
  • Gestörte Sensibilität
  • Veränderte Kopfhaltung beim Schlucken
  • Ruckartiges, abruptes Schlucken („Essen geht nicht runter“)
  • Husten während (oder nach) der Mahlzeit als Ausdruck einer Aspiration
  • Gurgelige (brodelige) Stimme
  • Nasale Stimme
  • ein Druck- oder Kloßgefühl im Hals
  • Schmerzen beim Schlucken
  • Würgen während des Schluckakts
  • Appetitlosigkeit, Nahrungsverweigerung
  • Fieberschübe/ Lungenentzündung
  • im Extremfall eine generelle Unfähigkeit zur Nahrungsaufnahme

Tipps zum Umgang mit Dysphagiepatienten

  • Flüssigkeiten andicken
  • breiige Nahrung geben
  • kleine Mengen langsam füttern
  • Teller mit erhöhtem Rand
  • Griffverdickungen am Besteck
  • Kopfhaltung in Richtung Brust
  • Gute Sitz- bzw. Liegeposition
  • keine Ablenkung während der Nahrungsaufnahme
  • Pausen bei Ermüdung
  • Patient nach dem Essen 1 Stunde aufrecht sitzen lassen
  • 1-2 Stunden vor dem Zubettgehen keine Nahrung mehr zu sich nehmen
  • vorhandene Bolusreste aus den Wangentaschen entfernen
  • Mundhygiene (Zunge von Belägen befreien)
  • mit Nasenbecher oder Strohhalm trinken

Was sollte man bei einer Schluckstörung nicht essen?

  • gemischte Konsistenzen: z.B. Schokolade mit Zusätzen (Nüsse, Rosinen, Kokosflocken, flüssiger Alkohol, Knusperflocken, etc.), Saft mit Fruchtfleisch; homogene, breiige Speisen wie Eis, Joghurt, Quark, Pudding, Käse oder Wurst, die stückige Zusätze (z.B. Nüsse, Körner, Pilze usw.) enthalten, Stolle, u. ä. Gebäck, Saucen mit groben Einlagen (saure Gurken, Zwiebeln, Pfefferkörner); Vollkornprodukte.
  • schwer zu einem Bolus formbare Lebensmittel: z.B. Reis (außer Brei); Graupen; Rohkostsalat; unzerkleinerter roher Schinken; Pilze; frische Kräuter
  • krümelige Lebensmittel: z.B. Salzgebäck; Fleisch, Fisch oder Käse paniert; Schaumzucker mit Zuckerkruste; Gummitiere, Plätzchen; Knäckebrot
  • Lebensmittel mit einen hohen Anteil Säureanteil: z.B. rohe Mandarinen oder Apfelsinen, Himbeeren, Kirschen, Stachelbeeren oder Johannisbeeren, natürlicher roter Saft pur; roter Tee (Hibiskus, Hagebutte), starke saure Saucen, saure Gummitierchen etc. Magerquark
  • schleimige oder Schleim bildende Lebensmittel: z.B. dicke Haferflockensuppe, Milch, Vollmilchschokolade
  • kohlensäurehaltige Getränke

Einteilung von Schluckstörungen nach Schwergraden

Einteilung der Schweregrade:

Schweregrad 1: gelegentliche Aspiration bei erhaltenem Hustenreflex
Schweregrad 2: permanente Aspiration bei erhaltenem Hustenreflex oder gelegentliche Aspiration ohne Hustenreflex mit gutem willkürlichem Abhusten
Schweregrad 3: permanente Aspiration ohne Hustenreflex mit gutem willkürlichem Abhusten
Schweregrad 4: permanente Aspiration ohne Hustenreflex, ohne willkürliches effektives Abhusten

Ernährungshinweise

Phaseneinteilung bei Nahrungsgabe:

  1. fein pürierte Kost
  2. pürierte Kost
  3. weiche Koste (Hackfleisch, Brot ohne Rinde, passierte Kost)
  4. Übergangskost
  5. Normalkost

Phaseneinteilung bei Flüssigkeit:

  1. keine Flüssigkeit
  2. cremig (Cremesuppen ohne Stücke)
  3. nektarartig (Fruchtnektar, Cremesuppen, angedickte Saucen)
  4. dünnflüssig (alle Flüssigkeiten)

FON Praxis – Ihre Ansprechpartner am Telefon und vor Ort

Vanessa Willikonsky

Birgit Gnabry, FON Institut Stuttgart Ost

Ute de Waard, FON Institut Bad Cannstatt

Andrea Fahrion, FON Institut S-Degerloch

Tel: 0711-88 26 888
Mail: info@foninstitut.de